Weg von der Winterabhängigkeit – hin zum Ganzjahrestourismus: Der alpine Tourismus steht an einem Wendepunkt. 

Weg von der Winterabhängigkeit, hin zum Ganzjahrestourismus: Der alpine Tourismus steht vor einem grundlegenden Wandel. Klimatische Veränderungen und neue Gästeerwartungen fordern ein Umdenken. Strategien wie der „Kompass Schnee“ zeigen konkrete Wege auf, wie Destinationen ihre Zukunft sichern können. Besonders der Mountainbike-Tourismus entwickelt sich dabei zu einem zentralen Wachstumstreiber mit hoher Wertschöpfung und großem Potenzial für die Sommer- und Nebensaison.

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Klimawandel, schwankende Schneeverhältnisse und veränderte Gästeerwartungen verändern den klassischen Wintertourismus grundlegend. Und das nicht nur in den Hochalpen.

Der Kompass Schnee, das wissenschaftlich fundierte Strategieinstrument von Seilbahnen Schweiz, Schweiz Tourismus und VSTM, deckt 23 Regionen der ganzen Schweiz ab: von den hochalpinen Gipfellagen bis zu den Voralpen und dem Jura (Seilbahnen Schweiz et al., 2025). 

DIE DATENAGE IST EINDEUTIG:

Eine Studie der Universität Neuenburg und des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF, 2016) belegt, dass die Schneesaison in den Schweizer Alpen im Durchschnitt 12 Tage später beginnt und 25 Tage früher endet als noch 1970. Dies ist ein Verlust von rund einem Monat Wintersaison. Gleichzeitig hat die maximal gemessene Schneehöhe seither um rund 25 Prozent abgenommen (Klein et al., 2016). 

109 von 250 Schweizer Skigebieten liegen heute in Lagen unter 1.500 Metern, die schon jetzt nicht mehr zuverlässig schneesicher sind (Seilbahnen Schweiz / ETH Zürich, 2024). Rund 169 Skigebiete und Dorflifte haben ihren Betrieb bereits eingestellt (Watson.ch, 2024). In Sörenberg (LU) wurden tief gelegene Lifte definitiv geschlossen und der Betrieb auf die höher gelegenen Anlagen konzentriert (Stoffel, 2024).

Dabei gilt: Nicht alle Gebiete sind gleichermassen betroffen. Destinationen über 1.800 Metern gelten gemäss Kompass Schnee weiterhin als schneesicher. Es zeigt sich deutlich: der Handlungsdruck ist höhenabhängig (Seilbahnen Schweiz et al., 2025). 

Genau hier setzt der Kompass Schnee an: Eine der drei zentralen Grundstrategien, „Strategie C: Übrige Saisons als Kompensation», beschreibt den Weg, den wir mit ALLEGRA seit über 20 Jahren mitgestalten – und den Destinationen wie Moléson und Schwarzsee heute konkret einschlagen: die gezielte Stärkung des Sommer- und Ganzjahresangebots als eigenständige touristische Saison. 

Konkret bedeutet Strategie C den Ausbau von Outdoor-Aktivitäten wie Biken, Wandern und Trailrunning – mit tragfähigen Geschäftsmodellen und klarer Marktpositionierung. 

MOUNTAINBIKE TOURISMUS ALS WACHSTUMSTREIBER

Mountainbike-Gäste bleiben länger, geben mehr aus und schaffen neue Wertschöpfungsketten. Bergbahnen, Hotellerie, Gastronomie, Sporthändler und regionale Dienstleister profitieren direkt davon. In Graubünden liegt der durchschnittliche Tagesausgabenwert von Mountainbikenden bei 304 CHF (bike impact Studie 2025, graubünden Bike) – ein konkretes Argument für den strategischen Aufbau eines Bikeangebots. 

Ein gut durchdachtes Trail- und Erlebnisangebot steigert die Gästezufriedenheit und wirkt sich direkt auf die wirtschaftliche Leistung einer Region aus. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen Routen und Netzen: Eine Signature-Route wie die Stoneman-Challenge oder eine Mehrtagesetappe ist ein starkes Leuchtturm-Angebot, das Aufmerksamkeit generiert. Doch wer fährt dieselbe Route zweimal?  

Wiederkehrende Gäste, längere Aufenthalte und höhere Wertschöpfung entstehen durch ein attraktives, vielfältiges Trailnetz, welches immer neue Kombinationen und Erlebnisse ermöglicht. Ein gutes Netz bringt Gäste zurück, eine gute Route bringt sie das erste Mal.

Dazu kommt der Effekt der Saisonverlängerung:

Ein starkes Sommerangebot erschliesst nicht nur Juli und August, sondern auch die Schultersaisonen Mai, Juni und Oktober. Monate in denen die Wetterbedingungen oft ideal und die Gebiete weniger überlaufen sind. Die Schweizer Bergbahnen verzeichneten im Oktober 2025 allein 29 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr (Seilbahnen Schweiz, 2025) – ein Zeichen, dass die Nachfrage in der Schultersaison real und wachsend ist. Regionen, die ihr Angebot früh im Jahr öffnen und spät schliessen, schöpfen dieses Potenzial als erste ab. Bergbahnen, Gastronomie und Hotellerie profitieren so auch weit ausserhalb der klassischen Wintersaison. 

HERAUSFORDERUNGEN UND ERFOLGSFAKTOREN

Das Wachstum bringt spezifische Anforderungen mit sich: 

  • Nachhaltige Infrastruktur: Planung, Bau und Pflege von Trails, Pumptracks und Bikeparks müssen ökologisch verträglich sein und den Nutzungsanforderungen entsprechen. 
  • Besucherlenkung: Konflikte zwischen Biker:innen, Wandernden und der Landwirtschaft sollen frühzeitig adressiert werden. 
  • Integration von Naturschutz und Umweltaspekten: Angebote müssen ökologisch fundiert entwickelt werden, ohne die Erholung und Erlebnisqualität zu schmälern. Aber: im Winter geltende Ruhezonen müssen auch für den Bikebetrieb beachtet werden. 
  • Dialog mit Stakeholdern ist essenziell: Gemeinden, Verbände, Tourismusorganisationen und die lokale Bevölkerung müssen in die Planung und Umsetzung eingebunden werden. 

 

Erfolgreiche Destinationen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der Planung, Betrieb, Erlebnisgestaltung und Weiterentwicklung zusammenführt. 

BEISPIELE, DIE ÜBERZEUGEN

Bikepark Moléson, Kanton Freiburg 

Der Moléson steht für einen klaren strategischen Entscheid: Die bestehende Bergbahninfrastruktur wird konsequent zur Ganzjahresdestination ausgebaut. Im Winter Pisten und Schlittelwege, im Sommer ein wachsendes Bikeangebot. Seit September 2024 erschliessen die beiden Flowtrails Modzon und Poya das Gelände für Familien, Einsteiger:innen und Fortgeschrittene, bequem ab der Mittelstation mit dem Sessellift erreichbar. 2025 folgte mit dem naturbelassenen Endurotrail Tché Don ein anspruchsvolles drittes Angebot für sportlich versierte Fahrer:innen. 

ALLEGRA begleitet den Bikepark Moléson seit Jahren bei der strategischen Weiterentwicklung und Diversifizierung des Angebots in Richtung Mountainbike-Tourismus und hat Planung und Bau aller drei Trails vollständig umgesetzt. 

Moleson Bikepark Titelbild

“What struck us most about ALLEGRA was their ability to combine technical precision with an understanding of the terrain. The Moléson bike park doesn’t mar the mountain’s appearance — it’s part of it. That’s exactly what we were looking for, and they understood it perfectly. We’re extremely proud of the result.” 

Antoine Micheloud, Delegierter Verwaltungsrat der Bergbahnen Moléson 

Bikepark Schwarzsee, Kanton Freiburg 

Schwarzsee zeigt, dass Ganzjahrestourismus keine riesige Infrastruktur voraussetzt. Vielfältige Aktivitäten auf engem Raum: Baden, Bootfahren, Wandern und Mountainbiken. Die Kaisereggbahnen Schwarzsee AG haben gemeinsam mit ALLEGRA einen 3,6 km langen Flow Trail mit 427 Höhenmetern gebaut, eröffnet im September 2025 ab der Bergstation auf 1.491 Metern. Der Trail ist bewusst für ein breites Publikum konzipiert: anfängerfreundliche Anliegerkurven und Wellen im blauen Grundlayout, dazu optionale rote und schwarze Features für erfahrene Fahrer:innen, alles umfahrbar, alles rollbar. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, Wildruhezonen wurden bei der Planung konsequent berücksichtigt. Ein kleines Gebiet, das zeigt, wie viel Wirkung entsteht, wenn Tourismus, Ökologie und lokale Verankerung zusammenspielen. 

„ALLEGRA war genau die richtige Wahl für den Bau unseres Bike Flowtrails – kompetent und professionell in Planung und Umsetzung. Der Trail kommt bei unseren Gästen sehr gut an und passt perfekt zu unserem Zielpublikum, von Familien bis zu ambitionierten Fahrern. Ein wichtiger Meilenstein zur Stärkung unsers Sommergeschäfts“

Kurt Waeber, Geschäftsführer Kaisereggbahnen Schwarzsee AG 

UNSER FAZIT

Der Wandel vom winterabhängigen zum ganzjährigen Tourismus ist nicht nur notwendig, sondern auch eine grosse Chance für Bergregionen. Der Kompass Schnee gibt Destinationen einen klaren Rahmen. Strategie C1 zeigt: Wer das Sommerangebot jetzt strategisch aufbaut, gewinnt eine eigenständige zweite Saison. Das schafft echte Resilienz gegenüber dem Klimawandel und wirtschaftliche Perspektiven, die weit über den Winter hinausreichen. 

Wir begleiten Destinationen bei diesem Wandel bereits seit 2003. Nicht mit Standardlösungen, sondern mit regionalem Verständnis, internationaler Erfahrung und dem Anspruch, Wirtschaftlichkeit, Umwelt und Gemeinschaft zusammenzubringen. 

Wollt ihr das Potenzial eurer Destination voll ausschöpfen? Wir begleiten euch – von der Entwicklung einer passenden Strategie bis zur Umsetzung vor Ort, etwa beim Aufbau neuer Trails. 

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